Johanna Nientiedt
ist Palliativfachkraft, psychologische Beraterin und Referentin mit dem Schwerpunkt Nahtoderfahrungen.
In ihrer über 20-jährigen Tätigkeit im hospizlichen und palliativen Bereich begleitete sie zahlreiche Sterbende und Trauernde. Dabei beschäftigt sie besonders, welche Bedeutung Nahtoderfahrungen und Nachtodkontakte für Sterbe- und Trauerprozesse haben und wie diese Erfahrungen entlasten und Orientierung geben können. Über viele Jahre war es ihr ein wichtiges Anliegen, diese Aspekte auch in die Ausbildung von Hospizbegleiter:innen einfließen zu lassen.
Sie verbindet fachliche Qualifikation mit persönlicher Erfahrung, darunter Nachtodkontakte (NTK), außerkörperliche Erfahrungen (AKE) und Alleinheitserfahrungen, und leitet mehrere Selbsthilfegruppen zu diesen Themen.
Im Netzwerk Nahtoderfahrungen möchte sie dazu beitragen, diese Erfahrungen verständlich zu machen und sensibel einzuordnen, mit einem besonderen Fokus darauf, Menschen mit eigenen Erfahrungen Raum und Gehör zu geben.
Dr. Joachim Nicolay
Ich bin (kath.) Diplomtheologe und Diplompsychologe. Promoviert habe ich in Philosophie bei Hans Blumenberg
in Münster/Westfalen.
Seit der Gründung im Jahr 2004 bin ich Mitglied im Verein. Sechs Jahre war ich stellvertretender Vorsitzender. Seite 2017 bin ich Vorsitzender.
Ich identifiziere mich mit den Zielen, die in unserer Satzung genannt werden:
1. seriöse Informationen vermitteln;
2. das Gespräch mit der Wissenschaft suchen;
3. ein Forum zum Austausch bieten für Menschen mit Nahtoderfahrungen und anderen spirituellen Erfahrungen sowie für Interessierte.
Ich hatte keine eigene Nahtoderfahrung, wohl aber andere paranormale und spirituelle Erfahrungen. Im August 2023 hatte ich eine mystische Erfahrung (im Sinne einer
Gottesbegegnung) in einer Kirche.
Judith Rahlfs – Biologin und Nahtoderfahrene, erweiterter Vorstand im Netzwerk Nahtoderfahrung e.V.
Ich hatte im Alter von 16 Jahren eine Nahtoderfahrung, die mein Leben nachhaltig geprägt hat. Seitdem bin ich auf der Suche nach einem tieferen Verständnis dieses Erlebnisses und meiner daraus erwachsenen Lebensaufgabe, habe ich Biologie, die Lehre vom Leben studiert und in vielen Vorlesungen an der Universität wie der Philosophie Platons, der Neurophilosophie nach Antworten gesuscht, die in der Kirche, der Schule und Universität unbeantwortet geblieben sind. Aufgrund vorherrschender kirchlicher Deutungen solcher Erfahrungen habe ich meine durch das Nahtoderlebnis erhaltenen Wahrnehmungen und Fähigkeiten – darunter Telepathie, Präkognition und Hellwissen – über viele Jahre hinweg weitgehend verdrängt.
Heute ist es mir ein zentrales Anliegen, dazu beizutragen, dass Nahtoderfahrene und Menschen mit spirituellen Erfahrungen in Deutschland flächendeckend Zugang zu qualifizierter und menschlicher Unterstützung erhalten. Diese Unterstützung sollte sowohl spirituelle als auch psychotherapeutische Aspekte einbeziehen, um das Erlebte integrieren und verarbeiten zu können.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit ist die Aufklärung: in Krankenhäusern, bei Ersthelfern sowie in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Theologinnen und Theologen sowie im schulischen Kontext. Ebenso wichtig ist die interdisziplinäre Vernetzung unterschiedlicher Fachbereiche.
Ein konkreter erster Schritt ist für mich die Unterstützung beim Aufbau und der Begleitung von Selbsthilfegruppen, die Betroffenen einen geschützten Raum für Austausch und Integration bieten.
Darüber hinaus möchte ich den Dialog zwischen Nahtoderfahrenen und WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen, darunter Physik, Biologie, Humanmedizin, Psychologie und Theologie fördern. Im Mittelpunkt stehen dabei ein ergebnisoffenes, respektvolles gemeinsames „Er-“Forschen und Verstehen, mit dem Ziel, individuelle Erfahrungen greifbarer zu machen und Erkenntnisse zum Wohle der Gesellschaft nutzbar zu machen.
Vera Spillner ist diplomierte Physikerin, promovierte Philosophin und Professorin an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Ihr Interesse an Nahtoderfahrungen entstand aus philosophischen und existenziellen Fragen nach Bewusstsein, Freiheit und Würde. Besonders beschäftigt sie, dass sich in vielen Nahtoderfahrungsberichten kulturübergreifend ähnliche Motive wie Lebensrückblick, Einheit und Zeitlosigkeit zeigen. Sie interessiert sich dafür, inwiefern Perspektiven aus der Physik helfen können, diese Berichte neu einzuordnen und in größere Fragen nach Wirklichkeit und Menschsein einzuzeichnen. Im Netzwerk möchte sie dazu beitragen, diese Erfahrungen offen, ernsthaft und interdisziplinär zu reflektieren.