Judith Rahlfs – Biologin und Nahtoderfahrene, erweiterter Vorstand im Netzwerk Nahtoderfahrung e.V.
Ich hatte im Alter von 16 Jahren eine Nahtoderfahrung, die mein Leben nachhaltig geprägt hat. Seitdem bin ich auf der Suche nach einem tieferen Verständnis dieses Erlebnisses und meiner daraus erwachsenen Lebensaufgabe, habe ich Biologie, die Lehre vom Leben studiert und in vielen Vorlesungen an der Universität wie der Philosophie Platons, der Neurophilosophie nach Antworten gesuscht, die in der Kirche, der Schule und Universität unbeantwortet geblieben sind. Aufgrund vorherrschender kirchlicher Deutungen solcher Erfahrungen habe ich meine durch das Nahtoderlebnis erhaltenen Wahrnehmungen und Fähigkeiten – darunter Telepathie, Präkognition und Hellwissen – über viele Jahre hinweg weitgehend verdrängt.
Heute ist es mir ein zentrales Anliegen, dazu beizutragen, dass Nahtoderfahrene und Menschen mit spirituellen Erfahrungen in Deutschland flächendeckend Zugang zu qualifizierter und menschlicher Unterstützung erhalten. Diese Unterstützung sollte sowohl spirituelle als auch psychotherapeutische Aspekte einbeziehen, um das Erlebte integrieren und verarbeiten zu können.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit ist die Aufklärung: in Krankenhäusern, bei Ersthelfern sowie in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Theologinnen und Theologen sowie im schulischen Kontext. Ebenso wichtig ist die interdisziplinäre Vernetzung unterschiedlicher Fachbereiche.
Ein konkreter erster Schritt ist für mich die Unterstützung beim Aufbau und der Begleitung von Selbsthilfegruppen, die Betroffenen einen geschützten Raum für Austausch und Integration bieten.
Darüber hinaus möchte ich den Dialog zwischen Nahtoderfahrenen und WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen, darunter Physik, Biologie, Humanmedizin, Psychologie und Theologie fördern. Im Mittelpunkt stehen dabei ein ergebnisoffenes, respektvolles gemeinsames „Er-“Forschen und Verstehen, mit dem Ziel, individuelle Erfahrungen greifbarer zu machen und Erkenntnisse zum Wohle der Gesellschaft nutzbar zu machen.