Geht man von einem naturalistischen oder materialistischen Weltbild aus, das den Weltlauf einschließlich Leben und Geist letztlich von Naturgesetzen im Zusammenspiel mit Zufall beherrscht sieht, dann ist es kaum sinnvoll, eine eigene Disziplin der Nahtodforschung einzurichten. Nahtoderlebnisse sind in einem solchen Weltverständnis entweder Träume oder Halluzinationen, also nicht Gegenstand naturwissenschaftlich-medizinischer Erkundung. Sie können als besondere Phänomene in die Untersuchungen der Psychiatrie und Psychologie, ferner der Kulturgeschichte und Religionsgeschichte untergebracht werden. Das ist im gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb auch noch weitgehend die Situation. Als Konsequenz werden nicht nur zahlreiche physikalische Fragen ignoriert, sondern auch der Bedeutung von Nahtoderfahrung für den Lebenssinn und die Lebensgestaltung kaum Gewicht beigemessen. Selbst viele Theologen klammern derartige Extremerfahrungen aus und verweisen sie ins Krankhafte oder nichtchristlich Weltanschauliche.

Das Netzwerk Nahtoderfahrung geht von einem nicht-naturalistischen, nicht-materialistischen Welt- und Menschenbild aus, auch wenn keine spezifische naturphilosophische oder religiöse Grundeinstellung vorausgesetzt wird. Infolgedessen sind Fragen der außersinnlichen Wahrnehmung, nicht materiell bedingte medizinische Vorgänge oder die herkömmliche Medizin überschreitende Befassung mit dem Tod Gegenstand der Nahtodforschung.

Besondere Aufmerksamkeit wird der Quantenphysik gewidmet, weil diese einerseits konkrete Verstehenshilfe beim Auftreten ungewöhnlicher Erscheinungen leistet, andererseits entscheidend zur notwendigen Erweiterung unseres Weltbildes im oben genannten Sinn beiträgt.

Konkret seien folgende Veröffentlichungen genannt:

  • Das  Journal of Near-Death Studies, von der  International Association for Near-Death Studies (IANDS) herausgegeben, veröffentlicht  original  neue Forschungsergebnisse.
  • Die von A. Serwaty und J. Nicolay hg. Tagungsbeiträge bringen Übersichtsbeiträge aus den verschiedenen Bereichen der Nahtodforschung.
  • Pim van Lommel Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung belegt einerseits die Existenz eines hirnunabhängigen Bewusstseins und  diskutiert das andererseits auf dem Hintergrund von Quantenphysik.
  • Günter Ewald Auf den Spuren der Nahtoderfahrungen. Gibt es eine unsterbliche Seele? führt u. a. in das auf Quantenphysik basierende Weltbild ein und schlägt, darauf aufbauend, ein Denkmodell für die Seele vor, die dem materieunabhängigen Bewusstsein Rechnung trägt. Er setzt sich dabei mit van Lommels Vorstellungen auseinander.
  • Michael Nahm Wenn die Dunkelheit ein Ende findet. Terminale Geistesklarheit und andere Phänomene in Todesnähe bringt neben außerkörperlichen Erfahrungen eine Fülle von – teilweise lange bekannten, aber unbeachtet gebliebenen - Beispielen anderer Extremerfahrungen, die Unabhängigkeit von Bewusstsein und Körper nahe legen.

Günter Ewald (verstorben 2015)

 
 

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